Was sind Stolpersteine?

 

Stolpersteine, ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, sind 10x10 cm große Würfel mit einer beschrifteten Messingplatte. Auf der Platte sind Name, Geburtsdatum und Flucht-, Deportations- oder Todesdatum von Menschen eingraviert, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt und umgebracht wurden.

Die Steine werden bündig auf dem Gehweg vor den Häusern verlegt, in denen diese  Menschen zuletzt freiwillig gelebt oder gearbeitet haben.

 


Warum Stolpersteine?

Das Grauen begann nicht erst in Dachau, Theresienstadt oder Auschwitz …
… es begann – für jedermann sichtbar – in unserer Nachbarschaft, in unserem Haus, vor unserer Tür!

Mit Stolpersteinen findet das Gedenken mitten in unserem alltäglichen Leben statt, nicht nur weit weg an Mahnmalen, Gedenkstätten oder an wenigen offiziellen Tagen im Jahr.
 
Stolpersteine erinnern in idealer Weise an Menschen, die, weil sie Juden, Sinti, Roma, Freimaurer, Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen, Homosexuelle, Behinderte, sogen. „Asoziale“ oder im Widerstand waren, aus der Gemeinschaft ausgestoßen, beraubt und ermordet wurden.


...und weiter...


Diese Menschen sollen der Anonymität des Vergessens und Verdrängens entrissen und zurück nach München geholt werden.

Ehemaliges jüdisches Leben in München soll in seiner Vielfalt, räumlichen Dichte und Ausbreitung wieder erkennbar werden.

Alteingesessene und Zugereiste, Jugendliche und Touristen sollen sehen, dass in unmittelbarer Nachbarschaft ein 11-jähriges Mädchen, eine 60-jährige Großmutter, ein angesehener Arzt von Deutschen ermordet wurden, nur weil sie angeblich anders waren oder dachten.
 
Die Steine sollen uns jetzt lebende Menschen tagtäglich damit konfrontieren, zu welchen extremsten Verbrechen Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung geführt haben und wieder führen können, wenn nicht jeder Einzelne dem beherzt entgegentritt..


Wo gibt es Stolpersteine?


Stolpersteine sind das weltweit größte dezentrale Mahnmal. In Europa wurden bereits in 24 Ländern in 1.600 Städten Stolpersteine verlegt, insgesamt ca. 70.000.

In Deutschland allein sind es knapp 60.000 in 1.250 Städten und Gemeinden.

Berlin                         über  7.500
Hamburg                  fast   5.400
Köln                           über  2.100
Frankfurt a.M.          rund  1.000
(Stand 08. August 2018)

sowie in vielen anderen kleinen, mittleren und großen Städten.

In Bayern liegen Stolpersteine in 78 Städten und Gemeinden, z.B. in Nürnberg, Augsburg, Würzburg, Dachau, Gröbenzell und Feldafing.



Und München?     

München schlägt einen kostspieligen Sonderweg ein. Statt Stolpersteinen (120 €, Fläche 10x10 cm) sollen Stelen (1.000 €, 6x6 cm) oder Tafeln an Hauswänden (500 €, 16x16 cm) an die Opfer erinnern. Stelen machen u.a. wegen ihrer tiefen Verankerung im Boden ein aufwendiges Genehmigungsverfahren und Tafeln die Zustimmung jedes einzelnen Miteigentümers eines Gebäudes erforderlich. Es ist daher abzusehen, dass nur wenige Stelen und Tafeln installiert werden. So wird aber das ungeheure Ausmaß der Massenvernichtung von Menschen nicht erkennbar.

Der Stadtrat hat zweimal die Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichem Grund untersagt, was weltweit auf Unverständnis, ja Empörung stieß. Auf privaten Flächen, die an öffentlichen Grund grenzen, konnte er es nicht verbieten. Dort gibt es inzwischen 58. Aber das reicht nicht, weder zahlenmäßig noch qualitativ. Die Stadt darf die Verantwortung für die Verbrechen und die Erinnerung daran weder auf heutige „willige“ Grundstückseigentümer abwälzen, noch sich mit wenigen Stelen aus der Affäre ziehen.

Wir Bürger müssen darauf bestehen, dass die „Hauptstadt der Bewegung“ sich HIER endlich bewegt und Stolpersteine auf öffentlichem Grund erlaubt.



WARUM

liegt dieser Stolperstein für ein 
Mitglied der Weißen Rose 
in Hamburg
und nicht in München?


 

Darum: 

Bürgerbegehren für Stolpersteine auf öffentlichem Grund auch in München